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Bindung - was ist das? PDF Drucken E-Mail
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Der Begriff Bindung ist dabei, sich zu einem Schlagwort zu entwickeln, meist allerdings reduziert auf die Mutter-/Eltern-Kind-Bindung und hier meist verwendet im Zusammenhang mit den sehr emotional geführten Diskussionen um (frühe) Fremdbetreuung von Kindern. Das ist Bindung auch, aber Bindung bedeutet noch viel mehr.

Eine sichere Mutter-Kind-Bindung ist Grundvoraussetzung für die störungsfreie Entwicklung von Urvertrauen, das wiederum die Basis des menschlichen Selbstwertgefühls, auch Selbstbewusstsein genannt, ist. Ein gutes, stabiles Selbstwertgefühl sagt: "Ich bin ok und liebenswert, so, wie ich bin, mit allen Ecken und Kanten, egal, was ich tue und egal, was andere von mir denken." Der Selbstwert eines Menschen mit einem stabilen, guten Selbstwertgefühl ist unabhängig von der Bewertung/Anerkennung durch Dritte.

Dieses von anderen unabhängige Selbstwertgefühl wiederum ist der Boden, auf dem Empathie, Leistungsbereitschaft, Konzentrationsfähigkeit, Resilienz und Liebesfähigkeit wachsen.

Nimmt man nun noch dazu, dass nahezu alle psychischen Probleme auf einer Selbstwertproblematik gründen und psychosomatische Beschwerden/Krankheitsbilder wiederum aus psychischen Schwierigkeiten und/oder unbewussten innerpsychischen Konflikten resultieren, so wird die immense Bedeutung der Bindungstheorie sehr schnell sehr klar.

 

Der Mensch ist ein hoch soziales Wesen

 

Der Mensch ist ein hoch soziales Wesen, Bindung ein elementares Grundbedürfnis. Es kann schwere Schäden (bis hin zum Tod) nach sich ziehen, wenn es nicht befriedigt wird. Aber auch auf weit weniger dramatischen Ebenen spielt die Bindung eine große Rolle: Kinder lernen nahezu ausschließlich über Bindung - etwas, das Lehrer an Universitäten leider nicht lernen, dabei wäre es wichtiger als alle Methodik und Didaktik. Wer erinnert sich nicht an Ausnahmelehrer, für die man gerne gelernt hat - auch wenn es die gehasste Mathematik war?

Unbefriedigt gebliebene Bindungsbedürfnisse des Säuglings/Kleinkindes haben aber nicht nur Auswirkungen auf Schulerfolg und Beruf, sondern ganz elementar auch auf die Fähigkeit als Erwachsener berfriedigende, langlebige Partnerschaften und Freundschaften einzugehen. Der einsame Steppenwolf, die klammernde Ehefrau, der rücksichtslose Karrierist, der den Beruf über alles stellt oder das Elternpaar, das tagtäglich und ohne Atempause einen vollen Familienterminkalender managt: Sie alle tragen unbefriedigte Bindungsbedürfnisse in sich - ohne es zu wissen und daher ohne Möglichkeit, etwas zu tun, um endlich eine befriedigende Beziehung führen und/oder zufrieden/angstfrei und im Einklang mit sich selbst leben zu können.

Die Gründe, warum so viele von uns sich mit einer Bindungsproblematik herumschlagen sind vielfältig und liegen nicht in der Verantwortung des Einzelnen und oft auch nicht in der seiner Eltern, sondern sind bei uns auch geschichtlich mitbegründet: Die Tradition des "strengen Zuchtmeisters", das Bild des "bösen" Kindes, der Zweite Weltkrieg und die Erziehungsmethoden des Dritten Reiches - das sind einige Gründe für unsere zunehmenden Binungsprobleme. Da diese aber immer im Unbewussten liegen und man sie erst ans Tageslicht holen müsste, um sie sich anschauen und sie ändern zu können, wird unsere Gesellschaft - die nun mal aus uns einzelnen Menschen besteht - immer bindungsloser: Unbegrenzte Mobilität, ständig wechselnde Lehrer und Klassenzusammesetzungen, viele Scheidungen, wild trotzende Kinder, aus dem Ruder laufende Jugendliche, flüchtige Bekanntschaften anstatt tiefer Freundschaften: Das sind nur einige wenige Symptome.

 

Bindung - das Fundament unserer Persönlichkeit

 

Bindung ist also das Fundament des Hauses, das sich unsere Persönlichkeit nennt. Jeder Riss, jeder Konstruktionsfehler hat Auswirkungen auf das darüber stehende Gebäude und ist im Nachhinein nur sehr schwer wieder zu reparieren/sanieren - wenn überhaupt.

Auf diesen Seiten finden Sie daher vielfältige Informationen rund um das Thema Bindung, aufgeliedert in die einzelnen großen Themenbereiche, dazu die Möglichkeit, sich im Themenforum auszutauschen, Fragen zu stellen, Anregungen zu geben und Gleichgesinnte zu finden.

Damit - um im Bild zu bleiben - möglichst viele Häuser mit einem stabilen Fundament entstehen, die durch (fast) nichts zu erschüttern sind. Das Leben hält genug Stürme bereit, gegen die wir nichts tun können, außer vorausschauend zu bauen: Für uns, aber vor allem auch für unsere Kinder, unsere Gesellschaft und letztendlich unsere Erde.

 

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